40 Jahre Flussseeschwalben im Raum Landshut

 

 

 

Das Wesentliche in Kürze:

 

Erstansiedlung: 1975

Maximaler Bestand: 90 Brutpaare (2007)

Bedeutung: hoher Anteil am bayerischen Gesamtbestand (im Jahr 1984 brüten 2/3 aller bayerischen Flussseeschwalben am Echinger Stausee); mit bislang über 1600 flüggen Jungvögeln bedeutendster Standort für die gesamtbayerische Bestandserholung; Ausgangspunkt für zahlreiche Koloniegründungen im ostbayerischen Raum

Aktuell (2017): 84 Brutpaare mit 88 flüggen juv.


Chronologische Entwicklung der einzelnen Koloniestandorte

 

Echinger Stausee (seit 1975)

 

1974: Bau eines Nistfloßes (9 m2) durch die Stadtwerke München. 1975: 1. Brutpaar 1978: Auf dem mittlerweile ziemlich verrotteten Nistfloß brüten 10 Seeschwalbenpaare. 1979: Ersatz des Nistfloßes durch eine Steininsel (35 m2). 1980 bis 1993: Hohe Brutplatzkonkurrenz durch Lachmöwen mit stark negativen Auswirkungen auf den Brutbestand und den Bruterfolg.  Der Flussseeschwalben-Bestand kann nur durch massive Eingriffe in die Lachmöwenkolonie erhalten werden. Ab 1987: Eintwicklung ethisch vertretbarer Strategien zur Vermeidung der Brutplatzkonkurrenz mit Lachmöwen. Den gewünschten Erfolg bringt letztlich die "Umsiedlung" der Seeschwalben auf mehrere kleine Flöße (9 m2, 6m2, 12 m2), die erst Ende April in den See eingebracht werden und auf denen erst nach vollständiger Besiedelung Strukturen (Versteckmöglichkeiten, Drahtumzäunungen) aufgebaut werden. Ab 1996: Die Seeschwalben brüten ausschließlich auf zwei Flößen mit insgesamt 18 m2 Fläche. Mit teilweise über 50 Brutpaaren ist die Siedlungsdichte extrem hoch, begünstigt durch die längliche Form der Flöße wird im Mittel jedoch ein zum Bestandserhalt ausreichender Bruterfolg erreicht. Eine Brutplatzkonkurrenz mit Lachmöwen besteht nicht mehr. 2014: Auf der weiterhin vorhandenen Steininsel kommt es erstmals zu einem Brutversuch der Nilgans. Das seit vielen Jahren dort brütende Mittelmeermöwen-Paar wird von den Nilgänsen verdrängt und versucht in der Folge, auf eines der beiden Seeschwalben-Flöße umzusiedeln. Durch z. T. nächtliche Beunruhigungen (PKW-Fernlicht) sowie heftige Aggressionen der Seeschwalben wird dies jedoch unterbunden. In den Folgejahren brüten Mittelmeermöwen und Seeschwalben wieder in guter Nachbarschaft. 2017: Mit 59 Brutpaaren der bislang höchste Brutbestand. 

 

 

Moosburger Stausee (1987 bis 2013, 2017)

1986: Bau einer Steininsel (40m2) durch die Stadtwerke München. 1987: Die ersten 6 Seeschwalbenpaare brüten. 1988 bis 2008: Anwachsen der Kolonie auf bis zu 45 Brutpaare. Trotz Brutplatzkonkurrenz durch Lachmöwen liegt der Bruterfolg im Mittel über dem zum Bestandserhalt erforderlichen Wert. Ab Mitte der 1990er Jahre werden Gruppen von 4 bis 6 Seeschwalbenpaaren durch den Aufbau von bis zu 30 cm hohen Abtrennungen voneinander isoliert. Der Aufbau der Abtrennungen erfolgt erst kurz vor dem Schlüpfen der ersten Jungvögel und wirkt sich auf den Bruterfolg sehr positiv aus. Bedingt durch Umbauarbeiten an der Insel und Vergrämungsmaßnahmen nimmt der Konkurrenzdruck durch Lachmöwen über die Jahre stetig ab. 2009 und 2010: Trotz Vergrämungsmaßnahmen kommt es zur Ansiedlung eines Brutpaares der Mittelmeermöwe, das systematisch alle Brutversuche der Seeschwalben durch Auffressen bzw. Zerstören der Eier zunichte macht. 2011 bis 2013: Am Westrand der Insel können trotz Mittelmeermöwenbrut bis zu 13 Seeschwalbenpaare erfolgreich ihre Jungen aufziehen. Das Nebeneinander beider Arten wird durch eine in der Inselmitte errichtete Abtrennnung aus mehreren Baumstämmen möglich gemacht. 2014 bis 2016: Das Mittelmeermöwen-Paar lässt trotz bestehender Abtrennung keine Seeschwalbenbruten mehr zu. 2017: ein Seeschwalbenpaar mit einem flüggen Jungvogel

 

 

Freizeitsee "WakeLake" bei Wörth (2002 bis 2013)

2002: Auf einer ca. 1000 m2 großen, spärlich bewachsenen Kiesinsel inmitten eines Freizeitsees werden drei Flussseeschwalbenpaare  festgestellt, die dort gemeinsam mit Sturm- und Mittelmeermöwen brüten. Das Vorkommen ist durch eine Einzäunung (Wildschutzzaun) am Inselfuß vor dem Ansturm von Schwimmern und Schlauchbootfahrern geschützt. 2003 bis 2012: Der Brutbestand steigt kontinuierlich an und liegt ab 2007 bei regelmäßig über 20 Paaren, die hier unter vergleichsweise naturnahen Bedingungen brüten. Der Bruterfolg ist trotz intensivem Badebetrieb und Freizeitsport in allen Jahren gut. 2012: Ansiedlung eines ersten Brutpaares der Lachmöwe. Ab 2012: Innerhalb weniger Jahre explodiert die Zahl der Lachmöwen regelrecht auf geschätzte 1000 Brutpaare. Die Präsenz der Lachmöwen ist so  hoch, dass selbst Sturmmöwen kaum mehr Fuß fassen können. Flussseeschwalben brüten letztmals im Jahr 2014 mit 4 Paaren, vermutlich jedoch ohne Erfolg. Ethisch vertretbare Optionen zum Erhalt des Seeschwalbenvorkommens bestehen derzeit nicht. Die bislang alljährlich im April auf der Insel durchgeführten Pflegemaßnahmen (Entfernung von Gehölzaufwuchs, Schaffung ausgedehnter Rohbodenbereiche) werden im Jahr 2015 eingestellt.

 

 

Kiesabbaugebiet "Aquapark" (seit 2015)

2015: Zur Reduzierung des enormen Populationsdrucks in der Kolonie Eching (>3 BP/m2) soll ein neuer Koloniestandort etabliert werden. Ein noch im Abbaubetrieb befindlicher Baggersee unweit des Moosburger Stausees erscheint geeignet. Vom Eigentümer des Sees (Firma ISARKIES) wird der Bau eines 9 m2 großen Nistfloßes finanziert, auf dem sich auch gleich ein erstes Brutpaar ansiedelt. Allerdings erweist sich der Baggersee sowohl hinsichtlich der Vielfalt als auch der Intensität an Freizeitnutzungen als ungeahnt problematisch. Trotz Badebetrieb, Modellfliegern, Grillpartys und Feuerwerk werden jedoch zwei Jungvögel flügge; 2016: Betriebstechnische Erfordernisse machen Ende April eine Verlagerung des Nistfloßes erforderlich. Trotz dieses Eingriffs brüten 5 Paare und ziehen 3 Junge groß; 2017: 23 Brutpaare mit 25 flüggen Jungvögeln 

 

 

 

LBV QUICKNAVIGATION