Dezember / Januar

Spurenlesen: Igel machen die (vor-)winterliche Landschaft unsicher

 

 

Helfen Sie mit und schützen Sie unser heimisches Wildtier

 

 

Die kalte Jahreszeit verschläft der Igel zumeist in seinem wintergeschützten Nest an einem ruhigen Ort in Ihrem Garten. Zu einer Kugel zusammengerollt verharrt der Stachelritter oft mehrere Wochen in derselben Position in seiner eigens errichteten Winterhöhle.

Der Winterschlaf ist ein hochkomplexer Vorgang, bei dem der Igel die Atmung, den Herzschlag und die Körpertemperatur reduziert. Alle lebenserhaltenden Funktionen laufen auf Sparflamme. In dieser Zeit zerrt der agile Gartenbewohner von seinem angefressenen Winterspeck, sodass nach dem Winterschlaf rund 30-40 Prozent des Körpergewichts verlorengegangen sind. In der fünf- bis sechsmonatigen Ruhephase wacht der Igel all zwei bis drei Wochen auf, bleibt allerdings im Nest und schläft kurze Zeit später wieder ein. Doch auch zum Ende des Jahres werden im Garten noch immer einige der stacheligen Freunde gesichtet. Doch warum ist das so?

Zum einen kann es sein, dass dem Winterschläfer das nötige Gewicht fehlt. Mitte November sollte ein Igel um die 600 Gramm wiegen.

Zum anderen kann auch der Wohnstubenverlust dazu führen, im Spätherbst/Winter heimatlos umherirren zu müssen. Hier sind beispielsweise die Umkompostierung, der Abtransport von Reisig oder Holz zu nennen. Bitte verzichten Sie daher auf größere Gartenaktionen, da Sie womöglich einen der stacheligen Bewohner beim Winterschlaf stören oder womöglich seine Behausung zerstören.

Sollte Ihnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Igel über den Weg laufen, handeln Sie überlegt und wägen Sie sorgfältig ab, ob dieser Ihre Hilfe benötigt.

Bevor Sie aktiv werden, setzen Sie sich im Vorfeld mit einer igelkundigen Beratungsstelle in Verbindung und lassen Sie sich ausführlich beraten. Darüber hinaus bietet Ihnen die detaillierte LBV-Grafik (https://www.igel-in-bayern.de/igel-gefunden-pflegetipps/) eine erste Hilfestellung, wie Sie mit einem gefundenen Herbstigel richtig umgehen sollten und welche Faktoren (Gewicht, Aussehen, etc.) für die Aufnahme von entscheidender Bedeutung sind.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind Igel hilfsbedürftig und bedürfen einer menschlichen Unterstützung, wenn

  • das Gewicht deutlich unter 500 Gramm liegt,
  • der Igel krank, schwach, unterkühlt oder verletzt ist,
  • kein witterungsgeschütztes Winterquartier (unter Holzstapeln, Terrassen o.ä.) in Sicht ist,
  • in den letzten Wochen keine gezielte Zufütterung vorausgegangen ist
  • und der agile Vierbeiner noch nach Wintereinbruch umherirrt.

In diesen Fällen können Sie aktiv werden. Bitte beachten Sie bei einer entsprechenden Aufnahme die folgenden Punkte:

  • Selbstschutz vor Igelparasiten: Lesen Sie das Tier ausschließlich mit Handschuhen auf, verwenden Sie keine Haustierpräparate und beherbergen Sie den Igel nicht im Wohnraum!
  • Untersuchung auf äußere Verletzungen, Protokollierung vom Gewicht und Fundort!
  • Analyse des Gesamtzustandes: Ist das Fundtier agil oder apathisch?
  • Apathische Tiere sind sehr wahrscheinlich unterkühlt: Setzen Sie den gefundenen Igel auf eine befüllte Wärmflasche, die mit einem Handtuch umwickelt ist und decken Sie den stacheligen Gesellen zu!
  • Quartieren Sie den Stachelritter kurzfristig in einem ausbruchssicheren Umzugskarton ein, in dem eine zusätzliche mit Nistmaterialien bestückte Schachtel einen sicheren Rückzugsort bietet!
  • Stellen Sie Wasser bereit, Fütterung mit Katzennassfutter oder Rinderhack inkl. Zugabe von Rührei oder einem hartgekochten Ei!
  • Kontaktieren Sie eine Igel-Beratungsstelle und machen Sie sich Gedanken über eine langfristige Unterbringung: Ein dauerhaftes Gehege muss mindestens 2 qm groß sein!

 

 

Ein hilfsbedürftiger Igel mit 300 Gramm (Mitte Nov. 2018), ein 5 qm großes Igel-Freigehege und Igelspuren im Schnee (Dez. 2017) © Maximilian Auer

 


Als Landshuter Artenschutzbetreuer und Igel-Berater (keine Auffangstation!) steht Ihnen Maximilian Auer bei Ihren Fragen zum heimischen Insektenfresser gerne telefonisch unter 0151/21781759 oder per Mail unter max-auer@outlook.de zur Verfügung.

Bitte beachten/nutzen Sie bei einem Anruf seine persönliche Mobilboxansage!

 


 

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